Tomaten auf dem Balkon: Sorten, Kübel, Ausgeizen und eine reiche Ernte
So gelingen Tomaten auf dem Balkon: passende Sorten, Kübelgröße und Erde, Pflanzen, Stützen, Ausgeizen, Gießen und Düngen, Regenschutz gegen Braunfäule, Blütenendfäule und Ernte.
Sonnengereifte Tomaten vom eigenen Balkon schmecken unvergleichlich besser als die aus dem Supermarkt. Und Tomaten gehören zu den Gemüsen, die sich am besten im Kübel ziehen lassen. Mit der richtigen Sorte, einem großen Gefäß, einem sonnigen, regengeschützten Platz und regelmäßiger Pflege ist eine reiche Ernte auch auf kleinem Raum möglich.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Sorten sich für den Balkon eignen, wie du Tomaten pflanzt und stützt, wie Ausgeizen, Gießen und Düngen funktionieren und wie du die häufigsten Probleme verhinderst.
Der richtige Standort
Tomaten brauchen viel Sonne und Wärme.
- Ideal: Süd-, Südwest- oder Westbalkon mit mindestens sechs bis acht Stunden direkter Sonne.
- Ostbalkon: Möglich, die Ernte fällt aber kleiner aus. Kleinfruchtige Sorten bevorzugen.
- Nordbalkon: Nicht geeignet.
- Regenschutz: Ein überdachter Balkon ist ideal. Nasse Blätter sind die Hauptursache für die gefürchtete Kraut- und Braunfäule.
- Windschutz: Starker Wind knickt Pflanzen und trocknet sie aus.
Sorten für den Balkon
| Sortentyp | Merkmale | Beispiele |
|---|---|---|
| Stabtomaten | Wachsen an einem Haupttrieb in die Höhe, 1,5 bis 2 m, müssen ausgegeizt werden | Viele Cocktail-, Salat- und Fleischtomaten |
| Buschtomaten | Kompakt, 40 bis 80 cm, verzweigt, werden nicht ausgegeizt | Für kleine Balkone und Kästen |
| Ampeltomaten | Hängend, für Blumenampeln und Balkonkästen | Kleine Kirschtomaten |
| Cocktail- und Kirschtomaten | Klein, sehr ertragreich, früh reif, weniger anfällig für Platzen | Ideal für Einsteiger |
| Fleischtomaten | Große Früchte, lange Reifezeit | Nur für sehr sonnige, warme Balkone |
| Braunfäule-tolerante Sorten | Weniger anfällig für Kraut- und Braunfäule | Gut für Balkone ohne Regenschutz |
Für Einsteiger sind Cocktail- und Buschtomaten die beste Wahl. Sie tragen früh, sind ertragreich und verzeihen Fehler.
Kübel und Erde
- Kübelgröße: Mindestens 20 bis 30 Liter pro Pflanze für Stabtomaten, 10 bis 15 Liter für Buschtomaten. Größere Kübel bedeuten mehr Wasser- und Nährstoffreserven und weniger Stress.
- Abzugslöcher und eine Drainageschicht aus Blähton.
- Wasserspeicherkübel erleichtern die Versorgung im Hochsommer enorm.
- Erde: Hochwertige Tomaten- oder Gemüseerde, nährstoffreich und strukturstabil.
- Kein Platz? Tomatensäcke oder Pflanzsäcke mit Erde funktionieren ebenfalls.
Anzucht oder Jungpflanzen
Tomaten können ab Mitte März auf der Fensterbank vorgezogen werden. Siehe Aussaat auf der Fensterbank. Alternativ gibt es ab April kräftige Jungpflanzen in Gärtnereien. Gute Jungpflanzen sind kompakt, dunkelgrün, haben einen kräftigen Stängel und keine Flecken.
Pflanzen
Tomaten kommen erst nach den Eisheiligen, Mitte Mai, dauerhaft nach draußen, wenn die Nächte über 10 °C bleiben. Vorher eine Woche abhärten.
- Den Kübel mit Drainage und Erde füllen.
- Tief pflanzen: Tomaten bilden am Stängel zusätzliche Wurzeln. Die Pflanze daher tiefer setzen als im Anzuchttopf, bis knapp unter die untersten Blätter. Untere Blätter vorher entfernen.
- Stütze direkt mit setzen: Einen Tomatenstab oder eine Spirale beim Pflanzen einstecken, um die Wurzeln später nicht zu verletzen.
- Angießen.
Stützen
Stabtomaten brauchen eine Stütze von 1,5 bis 2 Metern Höhe:
- Spiralstäbe aus Metall: Der Trieb wird einfach in die Spirale gedreht.
- Holz- oder Bambusstäbe: Der Trieb wird locker alle 20 bis 30 cm mit weichem Band angebunden.
- Schnüre von oben: Auf überdachten Balkonen kann eine Schnur an der Decke befestigt und um den Trieb gewickelt werden.
Beim Anbinden immer Platz für das Dickenwachstum des Stängels lassen.
Ausgeizen
Bei Stabtomaten wachsen in den Blattachseln, zwischen Haupttrieb und Blattstiel, ständig neue Seitentriebe, die sogenannten Geiztriebe. Werden sie nicht entfernt, entsteht ein dichter Busch mit vielen kleinen, spät reifenden Früchten und schlechter Durchlüftung.
- Einmal pro Woche die Blattachseln kontrollieren.
- Junge Geiztriebe mit den Fingern seitlich herausbrechen, solange sie noch klein sind.
- Größere Triebe mit einer sauberen Schere abschneiden.
- Nicht verwechseln: Blütenstände wachsen nicht aus den Blattachseln, sondern zwischen den Blättern am Stängel.
Buschtomaten und Ampeltomaten werden nicht oder nur wenig ausgegeizt.
Ausgegeizte Triebe können in Wasser bewurzelt werden und ergeben neue Pflanzen.
Gießen
Tomaten brauchen viel und vor allem gleichmäßig Wasser.
- Morgens gießen, direkt an die Basis, niemals über die Blätter.
- Durchdringend: Im Hochsommer täglich, bei großen Pflanzen in kleinen Kübeln eventuell zweimal.
- Gleichmäßigkeit: Starke Schwankungen zwischen trocken und nass führen zu geplatzten Früchten und Blütenendfäule.
- Mulch: Eine Schicht Stroh, Rasenschnitt oder Kokosfasern auf der Erde verringert die Verdunstung.
Mehr Hilfsmittel in Balkon-Bewässerung.
Düngen
Tomaten sind Starkzehrer. Etwa zwei bis drei Wochen nach dem Pflanzen beginnen und dann wöchentlich mit Tomatendünger düngen. Tomatendünger enthält mehr Kalium, das für Fruchtbildung und Geschmack wichtig ist. Organische Dünger wie Hornspäne beim Pflanzen eingearbeitet sorgen für eine Grundversorgung.
Blüten und Bestäubung
Tomaten sind Selbstbestäuber. Auf windstillen Balkonen hilft es, die Pflanzen oder Blütenstände während der Blüte täglich leicht zu schütteln, damit der Pollen fällt. Hummeln sind hervorragende Bestäuber.
Typische Probleme
| Problem | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Braune Flecken auf Blättern und Früchten, schnelles Absterben | Kraut- und Braunfäule durch nasse Blätter | Regenschutz, nicht über Blätter gießen, untere Blätter entfernen, tolerante Sorten |
| Schwarze, eingesunkene Stelle am Fruchtboden | Blütenendfäule durch Calciummangel bei ungleichmäßigem Gießen | Gleichmäßig gießen, Mulch |
| Geplatzte Früchte | Starke Schwankungen in der Wasserversorgung | Gleichmäßiger gießen |
| Gelbe untere Blätter | Nährstoffmangel oder natürliche Alterung | Düngen, untere Blätter entfernen |
| Blüten fallen ab | Hitze über 30 °C, Kälte, Wassermangel | Schattieren in Hitzewellen, gleichmäßig gießen |
| Grüne Schultern an den Früchten | Starke Sonne, Hitze | Laub nicht zu stark entfernen |
| Blattläuse, Weiße Fliege | Schädlinge | Siehe Blattläuse natürlich bekämpfen |
Ernte
Tomaten sind reif, wenn sie die sortentypische Farbe haben und auf leichten Druck etwas nachgeben. Am besten mit dem Stielansatz abknipsen. Im Herbst vor dem ersten Frost können grüne Tomaten geerntet werden und reifen in der Wohnung nach, etwa in einem Karton mit einem Apfel. Grüne Tomaten enthalten Solanin und sollten nicht roh gegessen werden.
Ab Ende August wird die Spitze der Stabtomaten gekappt, damit die Pflanze ihre Kraft in die vorhandenen Früchte steckt, statt neue Blüten zu bilden, die nicht mehr reifen.
Praxisbeispiel: Drei Kübel, zwanzig Kilo
Auf einem überdachten Südwestbalkon wurden Mitte Mai drei Tomatenpflanzen gesetzt: eine Cocktailtomate, eine Salattomate und eine braunfäuletolerante Sorte, jede in einem 30-Liter-Wasserspeicherkübel mit Tomatenerde. Die Pflanzen wurden tief gesetzt, an Spiralstäben geführt und wöchentlich ausgegeizt. Gegossen wurde morgens über den Wasserspeicher, gedüngt wöchentlich. Ende August wurden die Spitzen gekappt. Von Juli bis Oktober ernteten die Bewohner rund zwanzig Kilo Tomaten, ohne Braunfäule.
Tomaten-Kalender für den Balkon
| Monat | Aufgaben |
|---|---|
| März | Aussaat auf der Fensterbank, Saatgut und Kübel besorgen |
| April | Pikieren, hell und kühl weiterziehen, Jungpflanzen kaufen |
| Mai | Abhärten, nach den Eisheiligen tief pflanzen, Stütze setzen |
| Juni | Ausgeizen, regelmäßig gießen, Düngen beginnen |
| Juli bis August | Ernte beginnt, wöchentlich ausgeizen und düngen, untere Blätter entfernen |
| Ende August | Triebspitzen kappen |
| September bis Oktober | Letzte Ernte, grüne Früchte nachreifen lassen, Pflanzen entsorgen |
Häufige Fragen
Kann ich Tomaten in Balkonkästen pflanzen?
Nur Buschtomaten oder Ampeltomaten. Stabtomaten brauchen deutlich mehr Erde.
Muss ich Tomatenblätter entfernen?
Die unteren Blätter, die den Boden berühren oder gelb werden, sollten entfernt werden. Den Rest stehen lassen, er schützt die Früchte vor Sonnenbrand.
Kann ich Tomaten überwintern?
Tomaten sind eigentlich mehrjährig, werden aber meist einjährig kultiviert. Eine Überwinterung ist aufwendig. Einfacher ist es, im Frühjahr neu anzuziehen.
Fazit
Tomaten auf dem Balkon brauchen Sonne, einen großen Kübel, nährstoffreiche Erde, eine stabile Stütze und einen Platz, an dem die Blätter trocken bleiben. Pflanze sie tief, geize Stabtomaten wöchentlich aus, gieße morgens gleichmäßig an die Basis und dünge wöchentlich. Dann erntest du von Juli bis zum Herbst aromatische Früchte. Passend dazu: Chili im Topf.