Wollläuse und Schmierläuse bekämpfen: weiße Watte an Zimmerpflanzen
Woran du Wollläuse und Schmierläuse erkennst, warum sie so hartnäckig sind und wie du sie loswirst: Abtupfen mit Alkohol, Öl- und Seifenpräparate, Wurzelläuse, Nützlinge und Vorbeugung.
Weiße, wattige Flöckchen in den Blattachseln, klebrige Blätter und eine Pflanze, die trotz guter Pflege kümmert: Das sind typische Anzeichen für Wollläuse, auch Schmierläuse genannt. Diese Schildlausverwandten gehören zu den hartnäckigsten Schädlingen an Zimmerpflanzen, weil sie sich gut verstecken und durch ihre Wachsschicht geschützt sind. Mit Ausdauer und den richtigen Methoden lassen sie sich trotzdem dauerhaft entfernen.
Dieser Ratgeber zeigt, wie du Wollläuse erkennst, welche Pflanzen besonders gefährdet sind, welche Bekämpfungsmethoden wirken und wie du einen neuen Befall verhinderst.
Wollläuse erkennen
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Größe | 2 bis 5 Millimeter |
| Aussehen | Ovale, rosafarbene bis graue Körper, bedeckt mit weißem, wachsartigem Puder |
| Wachsfäden | Weiße, wattige Ausscheidungen, in denen Eier und Jungtiere sitzen |
| Aufenthaltsort | Blattachseln, Blattunterseiten, Triebspitzen, unter Blattscheiden, an Wurzeln |
| Honigtau | Klebrige Ausscheidungen auf Blättern und Möbeln |
| Rußtau | Schwarzer Pilzbelag auf dem Honigtau |
Der Begriff Schmierlaus wird oft synonym verwendet. Streng genommen gehören beide zur Familie der Pseudococcidae. Die Bekämpfung ist identisch.
Was sie anrichten
Wollläuse stechen die Pflanze an und saugen Pflanzensaft. Dabei geben sie Speichel ab, der das Wachstum stört. Typische Schäden:
- Gelbe, verkrüppelte oder abfallende Blätter
- Kümmerndes Wachstum, besonders an Triebspitzen
- Klebriger Honigtau und schwarzer Rußtau, der die Photosynthese behindert
- Bei starkem Befall stirbt die Pflanze
Gefährdete Pflanzen
- Kakteen und Sukkulenten, besonders Echeverien, Aloe und Geldbaum
- Orchideen, vor allem in den Blattachseln und an Blütenrispen
- Gummibaum und Birkenfeige
- Monstera, Philodendron und Efeutute
- Zitruspflanzen
- Hoya, Croton und Palmen
Warum Wollläuse so hartnäckig sind
- Wachsschicht: Der weiße Wachspuder schützt die Tiere vor vielen Pflanzenschutzmitteln und Wasser.
- Verstecke: Sie sitzen in Blattachseln, unter Blattscheiden, in Rissen und an Wurzeln, wo Sprays nicht hinkommen.
- Eier im Wachsnest: Ein Weibchen legt mehrere hundert Eier in die schützende Watte.
- Schnelle Vermehrung: Bei Zimmertemperatur dauert eine Generation etwa vier bis sechs Wochen, Generationen überlappen sich.
- Wanderschaft: Junge Läuse krabbeln auf Nachbarpflanzen.
Sofortmaßnahmen
- Isolieren: Befallene Pflanzen sofort von anderen trennen.
- Alle Pflanzen kontrollieren: Besonders Blattachseln und Blattunterseiten von Nachbarpflanzen.
- Stark befallene Teile abschneiden und in einer verschlossenen Tüte entsorgen.
Bekämpfungsmethoden
Abtupfen mit Alkohol
Die wirksamste mechanische Methode: Ein Wattestäbchen in Spiritus oder Isopropylalkohol (70 Prozent) tauchen und jede sichtbare Laus samt Watte abtupfen. Der Alkohol löst die Wachsschicht und tötet die Tiere. Danach die Rückstände mit einem feuchten Tuch abwischen.
- Besonders geeignet für kleinere Pflanzen, Orchideen und Sukkulenten.
- Vorher an einem Blatt testen, empfindliche Blätter können Flecken bekommen.
- Alle drei bis vier Tage wiederholen, weil immer neue Läuse aus Verstecken und Eiern nachkommen.
Abwaschen und Abduschen
Robuste Pflanzen mit lauwarmem Wasser kräftig abbrausen, um Läuse und Watte zu entfernen. Bei Sukkulenten und Orchideen auf gutes Abtrocknen achten, damit kein Wasser in Rosetten und Blattachseln steht.
Spiritus-Seifenlösung
Eine selbst gemischte Lösung aus einem Liter Wasser, 15 ml Schmierseife oder Kaliseife und 15 ml Spiritus wird auf die befallenen Pflanzenteile gesprüht, besonders in Blattachseln und auf Blattunterseiten. Die Seife verklebt die Atemöffnungen, der Alkohol löst das Wachs. Alle drei bis fünf Tage über mindestens drei bis vier Wochen wiederholen. Vorher an einem Blatt testen. Nicht bei Pflanzen mit Wachsschicht wie Echeverien anwenden, sie verlieren sonst ihren natürlichen Puder.
Öl-Präparate
Paraffinöl- oder Rapsöl-Präparate aus dem Handel ersticken Läuse und Eier. Gemäß Packungsangabe sprühen, nicht in praller Sonne, und mehrfach wiederholen.
Systemische Mittel
Pflanzenschutzstäbchen mit systemischen Wirkstoffen werden über die Wurzeln aufgenommen und erreichen auch versteckte Läuse, die beim Saugen den Wirkstoff aufnehmen. Sie sind bei hartnäckigem Befall eine Option. Gebrauchsanweisung beachten und in Haushalten mit Kindern und Haustieren abwägen.
Nützlinge
In Wintergärten oder bei vielen Pflanzen können Nützlinge eingesetzt werden:
| Nützling | Wirkung | Bedingungen |
|---|---|---|
| Australischer Marienkäfer (Cryptolaemus montrouzieri) | Larven und Käfer fressen Wollläuse | Über 20 °C, viel Licht |
| Florfliegenlarven (Chrysoperla carnea) | Fressen verschiedene Schädlinge | Über 12 °C |
| Schlupfwespen (Leptomastix) | Parasitieren bestimmte Wolllausarten | Über 22 °C |
Wurzelläuse
Eine besonders heimtückische Variante sind Wurzelläuse, die an den Wurzeln leben. Anzeichen: Die Pflanze kümmert, ohne dass oberirdisch Schädlinge sichtbar sind, und beim Austopfen findet man weiße, wachsartige Flecken an Wurzeln und am Topfrand. Besonders Kakteen und Sukkulenten sind betroffen.
So gehst du vor:
- Pflanze austopfen und die gesamte Erde entfernen.
- Wurzeln unter lauwarmem Wasser gründlich abspülen.
- Stark befallene Wurzeln abschneiden.
- Wurzeln eventuell für einige Minuten in eine Seifenlösung tauchen und danach abspülen.
- Topf heiß reinigen oder einen neuen verwenden.
- In frische Erde setzen. Die alte Erde im Hausmüll entsorgen.
Mehr zum Vorgehen in Umtopfen Schritt für Schritt.
Behandlungsplan
| Woche | Maßnahmen |
|---|---|
| 1 | Isolieren, stark befallene Teile entfernen, abduschen, alle Läuse mit Alkohol abtupfen |
| 1 bis 4 | Alle 3 bis 5 Tage abtupfen oder sprühen, Verstecke gezielt behandeln |
| 2 | Wurzeln kontrollieren, bei Befall umtopfen |
| 5 bis 6 | Wöchentliche Kontrolle; bei Neubefall Behandlung wieder aufnehmen |
| 8 | Wenn mehrere Wochen keine Läuse mehr sichtbar sind, Pflanze zurückstellen |
Vorbeugung
- Neue Pflanzen in Quarantäne: Zwei bis vier Wochen getrennt halten und gründlich kontrollieren, auch die Wurzeln.
- Regelmäßige Kontrolle: Blattachseln und Blattunterseiten wöchentlich ansehen.
- Kräftige Pflanzen: Pflanzen mit zu viel Stickstoff und weichem Gewebe sind anfälliger. Siehe Zimmerpflanzen düngen.
- Saubere Werkzeuge und Töpfe verwenden.
- Ameisen beobachten: Ameisen schützen Läuse, weil sie den Honigtau fressen.
Praxisbeispiel: Die Orchideen-Fensterbank
Auf einer Fensterbank mit sechs Phalaenopsis tauchten an einer Blütenrispe weiße Watteflöckchen auf. Bei genauer Kontrolle fanden sich Wollläuse auch in den Blattachseln und an der Unterseite der Blätter von drei weiteren Pflanzen. Alle Orchideen wurden getrennt, die Läuse mit einem in Spiritus getauchten Wattestäbchen entfernt und die Pflanzen anschließend alle vier Tage kontrolliert. Neue Läuse wurden sofort abgetupft. Bei einer Pflanze steckten Läuse auch an den Luftwurzeln im Topf; sie wurde umgetopft. Nach sechs Wochen ohne Neufund durften die Orchideen zurück auf die Fensterbank.
Wollläuse, Schildläuse oder Schimmel?
| Merkmal | Wollläuse | Schildläuse | Weißer Schimmel |
|---|---|---|---|
| Aussehen | Weiße, wattige Flocken, ovale bepuderte Tiere | Braune oder graue, feste Höcker | Flaumiger, gleichmäßiger Belag |
| Bewegung | Junge Tiere krabbeln | Erwachsene Tiere sitzen fest | Keine |
| Ort | Blattachseln, Blattunterseiten, Wurzeln | Stängel, Blattadern, Blattunterseiten | Erdoberfläche, abgestorbenes Gewebe |
| Honigtau | Ja | Ja | Nein |
| Behandlung | Alkohol, Seife, Öl | Abkratzen, Öl-Präparate | Abtragen, trockener halten |
Mit einer Lupe lassen sich Wollläuse gut erkennen: Unter der Watte sitzen ovale, segmentierte Tiere mit feinen Wachsfäden am Rand. Schildläuse sehen dagegen aus wie kleine, unbewegliche Schuppen, die sich mit dem Fingernagel abheben lassen. Schimmel hat keine Struktur und lässt sich verwischen. Siehe auch Schimmel auf Blumenerde.
Häufige Fragen
Sind Wollläuse für Menschen gefährlich?
Nein, sie schaden nur Pflanzen.
Warum kommen die Läuse immer wieder?
Meist überleben Eier in Verstecken oder Läuse an den Wurzeln. Die Behandlung muss über mehrere Wochen konsequent wiederholt werden.
Kann ich eine stark befallene Pflanze retten?
Oft ja. Wenn die Pflanze sehr stark befallen ist, kann es sinnvoller sein, gesunde Triebspitzen als Stecklinge zu bewurzeln und die Mutterpflanze zu entsorgen. Siehe Stecklinge im Wasserglas.
Fazit
Wollläuse verstecken sich gut und sind durch ihre Wachsschicht geschützt. Isoliere befallene Pflanzen, tupfe sichtbare Läuse mit Alkohol ab, behandle wiederholt über mehrere Wochen mit Seifen- oder Öl-Präparaten, kontrolliere die Wurzeln und halte neue Pflanzen in Quarantäne. Konsequenz ist der Schlüssel zum Erfolg. Eine Übersicht weiterer Schädlinge findest du in Spinnmilben bekämpfen und Blattläuse natürlich bekämpfen.