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Stecklinge im Wasserglas bewurzeln: Schritt für Schritt zu neuen Pflanzen

So bewurzelst du Stecklinge im Wasserglas: geeignete Pflanzen, richtig schneiden, Knoten finden, Wasser wechseln, Licht und Wärme, Umsetzen in Erde und typische Fehler mit Lösungen.

Einen Trieb abschneiden, in ein Glas Wasser stellen und zusehen, wie nach einigen Wochen weiße Wurzeln wachsen: Die Vermehrung im Wasserglas ist die einfachste und anschaulichste Art, aus einer Pflanze viele zu machen. Sie funktioniert mit vielen beliebten Zimmerpflanzen, kostet nichts und macht Spaß, besonders auch mit Kindern. Wer einige Grundregeln beachtet, hat fast immer Erfolg.

Dieser Ratgeber erklärt, welche Pflanzen sich eignen, wie du Stecklinge richtig schneidest, wie du sie im Wasser pflegst und wann und wie du sie in Erde umsetzt.

Geeignete Pflanzen

PflanzeBewurzelung im WasserDauer bis zu den ersten Wurzeln
EfeututeSehr leicht1 bis 3 Wochen
Philodendron (rankend)Sehr leicht2 bis 3 Wochen
MonsteraLeicht, Knoten nötig2 bis 6 Wochen
TradescantiaSehr leichtWenige Tage bis 2 Wochen
BuntnesselSehr leicht1 bis 2 Wochen
Grünlilie (Kindel)Sehr leicht1 bis 2 Wochen
GummibaumMittel4 bis 8 Wochen
GeigenfeigeMittel4 bis 8 Wochen
Basilikum, MinzeSehr leicht1 bis 2 Wochen
HoyaMittel3 bis 6 Wochen
BegonieLeicht2 bis 4 Wochen
Kakteen, SukkulentenNicht geeignet, faulen leichtBesser in trockenes Substrat

Grundsätzlich eignen sich vor allem Pflanzen mit weichen bis halbverholzten Trieben und Knoten. Sukkulenten werden besser über trockene Methoden vermehrt. Siehe Sukkulenten vermehren über Blattstecklinge.

Was ist ein Knoten?

Ein Knoten (Nodium) ist die Stelle am Stängel, an der ein Blatt ansetzt. Dort sitzen schlafende Knospen und bei vielen Kletterpflanzen auch Luftwurzeln. Aus den Knoten wachsen neue Wurzeln und Triebe. Ein Steckling ohne Knoten bildet bei den meisten Pflanzen keine Wurzeln oder, wenn doch, nie einen neuen Trieb. Bei Monstera und Philodendron ist ein Blatt ohne Stielstück mit Knoten deshalb keine erfolgreiche Vermehrung.

Der richtige Zeitpunkt

Am besten gelingt die Bewurzelung im Frühjahr und Sommer, wenn die Pflanzen aktiv wachsen und viel Licht vorhanden ist. Im Winter ist es möglich, dauert aber länger und die Fäulnisgefahr ist höher.

Stecklinge schneiden

Material

  • Scharfe, saubere Schere oder Messer (mit Alkohol abwischen)
  • Glas, Vase oder Flasche, durchsichtig oder farbig
  • Zimmerwarmes Wasser, am besten abgestanden oder gefiltert

Schritt für Schritt

  1. Gesunden Trieb wählen: Kräftig, ohne Schädlinge, nicht blühend.
  2. Länge: Meist 10 bis 15 Zentimeter mit zwei bis vier Knoten. Bei Monstera reicht ein Stück mit einem Knoten, einer Luftwurzel und einem Blatt.
  3. Schnitt: Knapp, etwa einen halben bis einen Zentimeter, unterhalb eines Knotens schneiden. Der Schnitt sollte glatt sein, nicht gequetscht.
  4. Untere Blätter entfernen: Alle Blätter, die im Wasser stehen würden, abzupfen. Blätter im Wasser faulen und verderben das Wasser.
  5. Große Blätter verkleinern: Bei großblättrigen Pflanzen kann man ein bis zwei Blätter oben stehen lassen oder große Blätter halbieren, um die Verdunstung zu verringern.

Pflege im Wasser

Wasserstand

Der Knoten oder die Knoten sollten im Wasser stehen, die Blätter darüber. Bei sehr kleinen Gläsern reicht oft ein Knoten unter Wasser.

Licht und Wärme

  • Hell, aber ohne direkte Sonne. In praller Sonne heizt sich das Wasser auf und Algen wachsen.
  • Warm: 20 bis 25 °C sind ideal. Ein Platz auf einem warmen Regal oder in der Nähe, aber nicht direkt über der Heizung, beschleunigt die Bewurzelung.

Wasserwechsel

Das Wasser alle drei bis sieben Tage wechseln, bei Trübung sofort. Frisches Wasser enthält mehr Sauerstoff und weniger Bakterien. Dabei das Glas ausspülen. Bei Algenbildung ein dunkles oder undurchsichtiges Gefäß verwenden.

Geduld

Erste Wurzeln zeigen sich je nach Pflanze nach wenigen Tagen bis zu acht Wochen. Es kann auch eine Weile nichts passieren. Solange der Steckling grün und fest ist, ist alles in Ordnung.

Wann in Erde umsetzen?

Der beste Zeitpunkt ist, wenn die Wurzeln drei bis fünf Zentimeter lang sind und idealerweise erste Seitenwurzeln gebildet haben. Lässt man die Stecklinge zu lange im Wasser, bilden sie reine „Wasserwurzeln“, die sich in Erde erst umstellen müssen.

Umsetzen Schritt für Schritt

  1. Kleinen Topf wählen: 8 bis 12 cm Durchmesser, mit Abzugsloch.
  2. Lockere Erde: Zimmerpflanzenerde mit etwas Perlite oder Kokosfaser.
  3. Vorsichtig einsetzen: Die zarten Wasserwurzeln brechen leicht. Erst etwas Erde einfüllen, Steckling hineinhalten und vorsichtig auffüllen.
  4. Gut angießen.
  5. Übergangszeit: In den ersten zwei bis drei Wochen die Erde gleichmäßig leicht feucht halten, damit sich die Wurzeln umstellen können. Danach normal gießen.
  6. Mehrere Stecklinge zusammen in einen Topf setzen ergibt schneller eine buschige Pflanze.

Alternative: dauerhaft im Wasser

Efeutute, Philodendron, Grünlilie und einige andere Pflanzen können dauerhaft im Wasser wachsen. Wichtig ist dann:

  • Regelmäßiger Wasserwechsel
  • Gelegentlich etwas Hydrodünger in niedriger Konzentration
  • Ein heller Standort

Die Pflanzen wachsen meist langsamer als in Erde, sind aber dekorativ.

Typische Fehler

ProblemUrsacheLösung
Steckling fault von unten, wird schwarz und matschigBlätter im Wasser, Wasser nicht gewechselt, zu kaltFauligen Teil abschneiden, frisches Wasser, Blätter entfernen
Keine Wurzeln nach WochenKein Knoten, zu dunkel, zu kaltNeuen Steckling mit Knoten schneiden, wärmer und heller stellen
Blätter werden gelbNatürlich, die Pflanze nutzt ReservenAbwarten, solange der Stängel fest ist
Grüne Algen im GlasZu viel Licht auf das WasserDunkles Glas oder häufiger wechseln
Steckling welkt nach dem Umsetzen in ErdeWurzeln beschädigt, UmstellungGleichmäßig feucht halten, Geduld

Bewurzelungshilfen

Bewurzelungspulver oder -gel mit Pflanzenhormonen kann bei schwer bewurzelnden Pflanzen wie Gummibaum oder Geigenfeige helfen. Für leicht bewurzelnde Pflanzen wie Efeutute ist es unnötig. Weidenwasser, also Wasser, in dem Weidenzweige standen, wird als natürliches Hausmittel verwendet.

Praxisbeispiel: Aus einer Efeutute werden fünf

Eine üppige Efeutute mit langen Ranken wurde im Mai zurückgeschnitten. Aus den Ranken entstanden zwanzig Stecklinge mit je zwei bis drei Knoten, verteilt auf fünf Gläser auf einem hellen Regal. Das Wasser wurde zweimal pro Woche gewechselt. Nach zwei bis drei Wochen hatten fast alle Stecklinge Wurzeln von vier Zentimetern. Je vier Stecklinge wurden zusammen in einen 12-cm-Topf gesetzt. Nach einem Sommer waren daraus fünf buschige Pflanzen geworden, die als Geschenke an Freunde gingen.

Die richtigen Gefäße

GefäßVorteileNachteile
Klares GlasWurzelwachstum gut sichtbar, dekorativAlgenbildung bei viel Licht
Braunes oder grünes Glas, z. B. alte ApothekerflaschenWeniger AlgenWurzeln schlechter sichtbar
Reagenzglas-StänderPlatzsparend, mehrere Stecklinge nebeneinanderWenig Wasser, häufiges Nachfüllen
WandvasenDekorativSchwer zu reinigen
MarmeladengläserKostenlos, stabilBreite Öffnung, Stecklinge kippen leicht

Wichtig ist eine Öffnung, die so eng ist, dass der Steckling aufrecht steht, ohne dass Blätter ins Wasser hängen. Für Stecklinge mit großen Blättern wie Monstera eignen sich schwere Vasen mit schmalem Hals. Mehrere kleine Stecklinge lassen sich in einem Glas mit einem Stück Hühnerdraht oder einem gelochten Deckel stabil halten.

Häufige Fragen

Kann ich Leitungswasser verwenden?

Ja. Abgestandenes, zimmerwarmes Leitungswasser funktioniert gut. Bei sehr hartem Wasser kann gefiltertes Wasser die Kalkränder am Glas verringern.

Brauchen Stecklinge im Wasser Dünger?

In der Bewurzelungsphase nicht. Erst wenn sie dauerhaft im Wasser bleiben, gelegentlich etwas Hydrodünger.

Wie viele Stecklinge sollte ich schneiden?

Mehr als du brauchst. Nicht jeder Steckling bewurzelt, und mehrere in einem Topf ergeben eine schönere Pflanze.

Fazit

Die Vermehrung im Wasserglas ist einfach, wenn du einige Grundregeln beachtest: Stecklinge mit Knoten schneiden, untere Blätter entfernen, hell und warm ohne direkte Sonne stellen, das Wasser regelmäßig wechseln und bei drei bis fünf Zentimeter langen Wurzeln in lockere Erde umsetzen. So wird aus einer Pflanze schnell eine ganze Sammlung. Speziell zur Monstera: Monstera vermehren.

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