Zum Inhalt springen
BYOXYBring Your OXYgen home

Ableger und Kindel: Pflanzen vermehren, die ihren Nachwuchs selbst bilden

So vermehrst du Grünlilie, Aloe, Bromelie, Orchidee, Pilea und Co. über Ableger, Kindel und Absenker: wann abtrennen, wie bewurzeln, welches Substrat und wie die Jungpflanzen gut anwachsen.

Manche Pflanzen nehmen dir die Arbeit der Vermehrung fast vollständig ab. Sie bilden an langen Ausläufern, am Fuß der Mutterpflanze oder sogar an ihren Blütenstielen kleine, fertige Jungpflanzen. Diese Ableger und Kindel haben oft schon eigene Wurzeln oder bilden sie sehr schnell. Für Einsteiger ist das die sicherste Art, neue Pflanzen zu gewinnen, und für alle, die gern Pflanzen verschenken, eine unerschöpfliche Quelle.

Dieser Ratgeber erklärt die verschiedenen Arten von Ablegern, welche Pflanzen sie bilden, wann der richtige Zeitpunkt zum Abtrennen ist und wie die Jungpflanzen gut anwachsen.

Begriffe: Ableger, Kindel, Ausläufer, Absenker

Im Alltag werden die Begriffe oft durcheinander verwendet. Grob lassen sie sich so unterscheiden:

BegriffWas es istBeispiele
KindelJungpflanze direkt an der Basis der Mutterpflanze oder am StammAloe, Bromelien, Echeverien, Kakteen, Pilea
AusläuferLange Triebe, an deren Ende Jungpflanzen wachsenGrünlilie, Erdbeere, Judenbart
Brutpflanzen am BlattWinzige Pflänzchen am BlattrandBrutblatt (Kalanchoe daigremontiana)
KeikiJungpflanze an der Blütenrispe von OrchideenPhalaenopsis, Dendrobium
AbsenkerEin Trieb wird an der Mutterpflanze in Erde gelegt und bewurzelt dortEfeutute, Efeu, Hoya, Philodendron
Brutzwiebeln und TochterknollenNeue Zwiebeln oder Knollen an der MutterzwiebelAmaryllis, Glücksklee, Glücksfeder

Allen gemeinsam ist: Die Jungpflanzen sind genetisch identisch mit der Mutterpflanze. Eine panaschierte Sorte bleibt panaschiert, eine bestimmte Blütenfarbe bleibt erhalten.

Der richtige Zeitpunkt

Die wichtigste Regel: Kindel nicht zu früh abtrennen. Je größer die Jungpflanze und je mehr eigene Wurzeln sie hat, desto sicherer wächst sie an.

PflanzeAbtrennen, wenn ...
GrünlilieDie Jungpflanzen kleine Wurzelansätze zeigen, oft schon an der Mutterpflanze
Aloe veraDas Kindel etwa ein Viertel bis ein Drittel der Größe der Mutterpflanze hat und eigene Wurzeln besitzt
Bromelie (z. B. Guzmania)Das Kindel etwa ein Drittel bis die Hälfte so groß wie die Mutterpflanze ist
EcheverieDie Tochterrosette ein eigenes kleines Rosettenbild und Wurzeln zeigt
Pilea (Ufopflanze)Der Ableger einige Zentimeter hoch ist und mehrere Blätter hat
Orchideen-KeikiDrei bis vier Blätter und mehrere drei bis fünf Zentimeter lange Wurzeln
Kakteen-KindelSie sich leicht lösen lassen, meist mit Wurzelansätzen

Die beste Jahreszeit ist Frühling bis Frühsommer, wenn die Pflanzen wachsen und die Tage hell sind.

Grünlilie: der Klassiker

Die Grünlilie (Chlorophytum comosum) bildet an langen, überhängenden Ausläufern zahlreiche Jungpflanzen.

Methode 1: Abschneiden und ins Wasser

  1. Eine Jungpflanze mit sichtbaren Wurzelansätzen am Ausläufer abschneiden.
  2. In ein kleines Glas Wasser stellen, sodass nur die Basis im Wasser steht.
  3. Nach ein bis zwei Wochen sind die Wurzeln lang genug, um die Pflanze in Erde zu setzen.

Methode 2: Direkt in Erde

Die Jungpflanze direkt in einen kleinen Topf mit feuchter Erde setzen und die ersten zwei Wochen gleichmäßig feucht halten.

Methode 3: Abmoosen am Ausläufer

Einen kleinen Topf mit Erde neben die Mutterpflanze stellen, die Jungpflanze am Ausläufer darauf setzen und mit einer Haarnadel fixieren. Wenn sie angewachsen ist, den Ausläufer durchschneiden. Diese Methode ist besonders sicher, weil die Jungpflanze von der Mutter mitversorgt wird, bis sie eigene Wurzeln hat.

Aloe vera und andere Rosetten-Sukkulenten

Aloe vera bildet am Fuß zahlreiche Kindel, die mit der Zeit den Topf füllen.

  1. Die Pflanze austopfen und die Erde vorsichtig entfernen.
  2. Kindel mit eigenen Wurzeln ertasten und mit einem sauberen Messer an der Verbindungsstelle abtrennen.
  3. Die Schnittstellen ein bis zwei Tage antrocknen lassen.
  4. In kleine Töpfe mit trockener Sukkulentenerde setzen.
  5. Nach etwa einer Woche zum ersten Mal leicht gießen.

Echeverien, Haworthien und viele Kakteen werden genauso vermehrt. Mehr zur Pflege dieser Gruppe in Kakteen und Sukkulenten pflegen.

Bromelien

Bromelien wie Guzmania, Vriesea oder Aechmea blühen nur einmal. Nach der Blüte stirbt die Mutterrosette langsam ab, bildet vorher aber ein oder mehrere Kindel an der Basis.

  1. Die Mutterpflanze nach der Blüte weiter pflegen, bis die Kindel etwa ein Drittel bis die Hälfte ihrer Größe erreicht haben.
  2. Die Kindel mit einem scharfen Messer möglichst dicht an der Mutterpflanze abschneiden, eventuell mit einem kleinen Stück Gewebe.
  3. In lockeres Substrat aus Orchideenerde und etwas Blumenerde setzen.
  4. Hell, warm und mit hoher Luftfeuchtigkeit aufstellen. Bei vielen Bromelien wird etwas Wasser in den Trichter gegeben.

Alternativ kann man die Mutterpflanze nach dem Absterben vorsichtig abschneiden und die Kindel im Topf weiterwachsen lassen.

Orchideen-Keiki

An den Knoten einer Phalaenopsis-Rispe wächst manchmal statt einer Blüte eine kleine Pflanze. Lass das Keiki an der Mutterpflanze, bis es drei bis vier Blätter und mehrere Wurzeln von drei bis fünf Zentimetern hat. Dann wird es mit einem kleinen Stück Rispe abgeschnitten und in einen kleinen, durchsichtigen Topf mit feinem Orchideensubstrat gesetzt. Mehr in Orchideen pflegen.

Pilea (Ufopflanze)

Die Pilea peperomioides bildet zahlreiche Ableger direkt aus der Erde, oft einige Zentimeter vom Stamm entfernt, und manchmal auch am Stamm selbst.

  1. Ableger, die aus der Erde wachsen, mit einem Messer unterhalb der Erdoberfläche abtrennen, möglichst mit etwas Wurzel.
  2. In einen kleinen Topf mit lockerer Erde setzen oder zunächst im Wasser bewurzeln.
  3. Ableger am Stamm vorsichtig abschneiden und im Wasser bewurzeln.

Pilea-Ableger sind ein beliebtes Tauschobjekt unter Pflanzenfreunden, weshalb die Pflanze auch „Freundschaftspflanze“ genannt wird.

Absenker bei Rankpflanzen

Absenker funktionieren bei vielen Kletter- und Hängepflanzen:

  1. Einen kleinen Topf mit Erde neben die Mutterpflanze stellen.
  2. Einen langen Trieb so darauf legen, dass ein oder zwei Knoten die Erde berühren.
  3. Den Trieb an den Knoten mit einer Haarnadel oder einem gebogenen Draht fixieren.
  4. Die Erde im kleinen Topf feucht halten.
  5. Nach drei bis sechs Wochen, wenn der Trieb im neuen Topf eingewurzelt ist, die Verbindung zur Mutterpflanze durchschneiden.

Diese Methode ist sehr sicher, da die Jungpflanze bis zur Trennung von der Mutterpflanze versorgt wird. Sie eignet sich für Efeutute, Philodendron, Hoya und Efeu. Alternativ: Stecklinge im Wasserglas.

Pflege der Jungpflanzen

FaktorEmpfehlung
TopfKlein, 6 bis 10 cm, mit Abzugsloch
SubstratLocker und passend zur Art, für Sukkulenten mineralisch
LichtHell, ohne direkte Mittagssonne
Temperatur20 bis 25 °C
WasserGleichmäßig leicht feucht, bei Sukkulenten zurückhaltend
DüngerErst nach vier bis sechs Wochen, in halber Dosierung
LuftfeuchtigkeitFür tropische Arten erhöht, eventuell unter einer Haube

Bei der Wahl des Substrats hilft Blumenerde und Substrat.

Typische Fehler

  1. Zu früh abgetrennt: Kindel ohne eigene Wurzeln vertrocknen oder faulen.
  2. Sukkulenten sofort gegossen: Frische Schnittstellen faulen. Erst antrocknen lassen.
  3. Zu großer Topf: Viel nasse Erde rund um kleine Wurzeln.
  4. Pralle Sonne: Jungpflanzen verbrennen schnell.
  5. Zu kalt: Unter 18 °C wachsen viele Jungpflanzen kaum an.

Praxisbeispiel: Die Aloe-Familie

Eine Aloe vera hatte nach drei Jahren ihren Topf mit acht Kindeln gefüllt. Im April wurde sie ausgetopft. Fünf größere Kindel mit gut entwickelten Wurzeln wurden abgetrennt, zwei Tage angetrocknet und in Tontöpfe mit Kakteenerde und Bims gesetzt. Drei sehr kleine Kindel ohne Wurzeln blieben bei der Mutterpflanze, die in einen etwas größeren Topf kam. Nach einer Woche wurde zum ersten Mal vorsichtig gegossen. Alle fünf Jungpflanzen wuchsen an und bildeten im Sommer neue Blätter.

Häufige Fragen

Schadet es der Mutterpflanze, wenn ich Kindel stehen lasse?

Nein. Die Pflanze wird nur dichter und füllt den Topf schneller. Irgendwann wird es eng, und es ist Zeit zu teilen oder umzutopfen. Siehe Pflanzen teilen.

Kann ich Kindel ohne Wurzeln retten?

Bei Sukkulenten und Kakteen oft ja: antrocknen lassen und auf trockenes Substrat legen, sie bilden mit der Zeit Wurzeln. Bei Bromelien und Orchideen ist es schwieriger.

Warum bildet meine Grünlilie keine Ausläufer?

Junge oder zu dunkel stehende Pflanzen bilden selten Ausläufer. Ältere Pflanzen in etwas engen Töpfen an hellen Plätzen sind besonders produktiv.

Fazit

Ableger und Kindel sind die einfachste Art, Zimmerpflanzen zu vermehren. Warte, bis die Jungpflanzen groß genug sind und eigene Wurzeln haben, trenne sie mit sauberem Werkzeug ab, lass Schnittstellen bei Sukkulenten antrocknen und setze sie in kleine Töpfe mit passendem Substrat. Mit Licht, Wärme und Geduld wachsen sie zu kräftigen neuen Pflanzen heran.

Weiter gärtnern

Passende Ratgeber