Zimmerpflanzen teilen: die schnellste Vermehrung für buschige Pflanzen
Welche Zimmerpflanzen sich teilen lassen, der beste Zeitpunkt, Werkzeug, Schritt-für-Schritt-Anleitung für Bogenhanf, Calathea, Farn, Grünlilie und Friedenslilie, Nachpflege und typische Fehler.
Manche Zimmerpflanzen wachsen nicht aus einem einzelnen Stamm, sondern aus vielen Trieben, die direkt aus der Erde kommen. Mit der Zeit füllen sie den Topf vollständig aus. Bei diesen Pflanzen ist das Teilen die schnellste und einfachste Methode der Vermehrung: Aus einer großen Pflanze werden in wenigen Minuten zwei, drei oder mehr fertige Pflanzen mit eigenen Wurzeln. Gleichzeitig verjüngt das Teilen die Pflanze und gibt ihr neuen Platz.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Pflanzen sich teilen lassen, wann der richtige Zeitpunkt ist, wie du Schritt für Schritt vorgehst und wie du die Teilstücke danach pflegst.
Welche Pflanzen lassen sich teilen?
Geeignet sind Pflanzen, die mehrere Triebe aus der Erde bilden, mit Rhizomen, Horsten oder Knollen wachsen oder viele Kindel um sich herum versammeln.
| Pflanze | Wuchsform | Teilung |
|---|---|---|
| Bogenhanf (Sansevieria) | Rhizome | Sehr leicht, mit Messer |
| Glücksfeder (Zamioculcas) | Knollen | Leicht, mit Messer |
| Calathea | Rhizome, buschig | Leicht, vorsichtig auseinanderziehen |
| Friedenslilie (Spathiphyllum) | Horst | Leicht |
| Farne (z. B. Schwertfarn) | Horst, Rhizome | Leicht |
| Grünlilie | Horst mit dicken Wurzeln | Sehr leicht |
| Aloe, Echeverien, Haworthien | Rosetten mit Kindeln | Leicht |
| Schusterpalme (Aspidistra) | Rhizome | Leicht, aber langsamer Wuchs |
| Strelitzie | Horst | Mittel, kräftiges Werkzeug |
| Bergpalme (Chamaedorea) | Mehrere Stämme im Topf | Möglich, empfindlich |
| Kräuter wie Schnittlauch, Minze | Horst, Ausläufer | Sehr leicht |
Nicht geeignet sind Pflanzen mit einem einzelnen Stamm, wie Gummibaum, Geigenfeige, Monstera mit nur einem Trieb oder Drachenbaum. Sie werden über Stecklinge vermehrt. Siehe Stecklinge im Wasserglas.
Mehrere Pflanzen im Topf
Viele Pflanzen aus dem Handel, etwa Efeutute, Philodendron, Bergpalme oder Monstera, bestehen aus mehreren Stecklingen oder Sämlingen, die zusammen in einen Topf gesetzt wurden. Auch diese lassen sich beim Umtopfen vorsichtig trennen. Ob das sinnvoll ist, hängt davon ab, ob du lieber eine große, buschige Pflanze oder mehrere kleinere möchtest.
Der beste Zeitpunkt
- Frühling ist ideal, kurz bevor oder während das Wachstum einsetzt. Die Teilstücke haben dann die ganze Saison, um neue Wurzeln zu bilden.
- Beim Umtopfen: Teilen und Umtopfen werden am besten kombiniert.
- Nicht während der Blüte, nicht im Winter und nicht bei gestressten oder kranken Pflanzen.
Anzeichen, dass eine Teilung sinnvoll ist: Der Topf ist übervoll, Triebe drängen sich am Rand, Wurzeln wachsen aus dem Abzugsloch, die Pflanze wird in der Mitte kahl oder ist schlicht zu groß geworden.
Werkzeug und Material
- Scharfes, sauberes Messer oder Gartenmesser; für kräftige Wurzeln ein alter Brotmesser oder Spaten
- Saubere Schere
- Neue Töpfe mit Abzugsloch, passend zur Größe der Teilstücke
- Frische Erde passend zur Pflanze. Siehe Blumenerde und Substrat
- Unterlage, Handschuhe
- Eventuell eine Sprühflasche, um freigelegte Wurzeln feucht zu halten
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Vorbereiten
Die Pflanze am Vortag leicht gießen, damit der Wurzelballen geschmeidig ist. Ausnahme: Sukkulenten, Bogenhanf und Glücksfeder trocken teilen.
2. Austopfen
Die Pflanze vorsichtig aus dem Topf lösen. Bei stark durchwurzelten Töpfen mit einem Messer am Topfrand entlangfahren. Kunststofftöpfe kann man notfalls aufschneiden.
3. Erde lockern
Die alte Erde mit den Fingern vorsichtig ausschütteln oder auszupfen, bis die einzelnen Triebe und ihre Wurzeln sichtbar werden. So erkennst du, wo sich natürliche Trennlinien befinden.
4. Teilen
- Lockere Horste wie Calathea, Farne oder Friedenslilie: Mit den Händen vorsichtig auseinanderziehen. Dabei an der Basis greifen, nicht an den Blättern ziehen.
- Feste Rhizome und Knollen wie Bogenhanf oder Glücksfeder: Mit einem scharfen Messer an den Verbindungsstellen durchschneiden.
- Sehr dichte Wurzelballen wie bei der Strelitzie: Mit einem kräftigen Messer oder Spaten durch den Ballen schneiden.
Jedes Teilstück braucht mindestens einen, besser mehrere Triebe und einen gesunden Anteil Wurzeln. Lieber wenige große als viele winzige Teile.
5. Wurzeln kontrollieren
Faule, weiche, braune Wurzeln und abgestorbene Pflanzenteile entfernen. Sehr lange Wurzeln können etwas eingekürzt werden. Bei Sukkulenten, Bogenhanf und Glücksfeder die Schnittstellen einen Tag antrocknen lassen.
6. Einpflanzen
Jedes Teilstück in einen passenden Topf setzen. Der Topf sollte nicht zu groß sein: Etwas Platz rund um den Wurzelballen genügt. Die Teilstücke auf derselben Höhe einpflanzen wie zuvor, Erde auffüllen, leicht andrücken.
7. Angießen
Gründlich angießen und überschüssiges Wasser ablaufen lassen. Sukkulenten erst nach einigen Tagen gießen.
Beispiele im Detail
Bogenhanf
Der Wurzelstock wird mit einem Messer so geteilt, dass jedes Teil mindestens ein bis zwei Blattrosetten und ein Stück Rhizom mit Wurzeln hat. Antrocknen lassen, in Sukkulentenerde setzen, eine Woche nicht gießen. Siehe Bogenhanf pflegen.
Calathea
Den Ballen vorsichtig auseinanderziehen, sodass jedes Teil mindestens drei bis vier Blätter und Rhizome hat. Danach besonders auf gleichmäßige Feuchtigkeit und hohe Luftfeuchtigkeit achten, eventuell einige Tage unter einer durchsichtigen Haube. Siehe Calathea pflegen.
Friedenslilie
Der Horst lässt sich meist gut mit den Händen in zwei bis vier Teile ziehen. Hängende Blätter in den ersten Tagen sind normal.
Farne
Große Farne wie Schwertfarn werden in mehrere Teile mit eigenen Wurzeln geschnitten. Alte, braune Wedel entfernen. Danach hell, ohne Sonne und mit gleichmäßiger Feuchtigkeit aufstellen.
Nachpflege
| Zeitraum | Pflege |
|---|---|
| Erste 2 Wochen | Hell, ohne direkte Sonne, warm, gleichmäßige Feuchtigkeit, bei tropischen Arten hohe Luftfeuchtigkeit |
| Woche 2 bis 6 | Normal gießen, auf neue Triebe achten |
| Ab Woche 6 bis 8 | Mit dem Düngen beginnen, in halber Dosierung |
Einige hängende Blätter oder ein gelbes Blatt nach dem Teilen sind normal, weil Wurzeln beschädigt wurden. Die Pflanze gleicht das in den folgenden Wochen aus.
Typische Fehler
- Zu kleine Teilstücke ohne genug Wurzeln oder Triebe.
- An Blättern ziehen statt an der Basis zu greifen.
- Teilen im Winter, wenn die Pflanze kaum wächst.
- Zu große Töpfe für die Teilstücke.
- Sofort düngen, obwohl frische Erde Nährstoffe enthält.
- Pralle Sonne direkt nach dem Teilen.
Praxisbeispiel: Aus einer Friedenslilie werden drei
Eine fünf Jahre alte Friedenslilie war so dicht geworden, dass Wasser beim Gießen kaum noch einzog und die Blätter in der Mitte gelb wurden. Im April wurde sie ausgetopft. Der Ballen bestand fast nur noch aus Wurzeln. Mit den Händen und einem Messer wurde er in drei Teile getrennt, jedes mit sechs bis zehn Trieben. Abgestorbene Blätter und braune Wurzeln wurden entfernt. Die drei Pflanzen kamen in 15-cm-Töpfe mit frischer Erde und standen zwei Wochen hell ohne Sonne. Nach anfänglichem Hängen richteten sich die Blätter auf, und im Sommer blühten alle drei.
Häufige Fragen
Wie viele Teile kann ich aus einer Pflanze machen?
Das hängt von der Größe ab. Jedes Teil sollte genug Triebe und Wurzeln haben, um selbstständig zu wachsen. Bei mittelgroßen Pflanzen sind zwei bis drei Teile üblich.
Kann ich mit dem Spaten teilen?
Bei sehr großen, robusten Pflanzen wie Strelitzie oder großen Gräsern ja. Für die meisten Zimmerpflanzen reicht ein Messer.
Was mache ich mit Teilstücken ohne Wurzeln?
Bei Sukkulenten kann man sie antrocknen und bewurzeln lassen. Bei anderen Pflanzen gelingt die Bewurzelung oft im Wasser oder unter einer Haube. Siehe Ableger und Kindel.
Fazit
Teilen ist die schnellste Methode, buschige Zimmerpflanzen zu vermehren und gleichzeitig zu verjüngen. Teile im Frühjahr beim Umtopfen, achte darauf, dass jedes Teilstück genug Triebe und Wurzeln hat, setze die Teile in passende Töpfe mit frischer Erde und pflege sie einige Wochen besonders aufmerksam. Weiterführend: Umtopfen Schritt für Schritt.